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Burg  Die Burg in Mühlhausen  Burg
( Gemeinde Affing (i) bei Augsburg (i) im Landkreis Aichach-Friedberg )
Burgstall Mühlhausen
Burg


Ort Mühlhausen

Der Ort Mühlhausen wird 1130 nach einer Güterschenkung an das Kloster St. Ulrich und St. Afra (i) in Augsburg als Mulehusen - zu den Häusern bei der Mühle - in einer alten Besitzliste des Klosters erwähnt. Das erste Gotteshaus aus der Zeit vor 1000 besaß einen quadratischen Chor, der aus Tuff (i) und Nagelfluh (i) errichtet war. Der um 1200 folgende Kirchenbau (eine grundherrliche Eigenkirche?) hatte dagegen einen apsidialen (i), aus Ziegelsteinen gemauerten Altarraum. Wohl gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde an gleicher Stelle eine dritte spätgotische und 1776 barockisierte Kirche gebaut, von der Chor und Turm erhalten blieben.
Noch im
12. Jahrhundert haben die Grafen von Scheyern-Wittelsbach die Gerichtsbarkeit über die diesseits gelegenen Güter des Klosters St. Ulrich/Afra erlangt. Die Pfarrei Mühlhausen war 1310 noch unter herzoglichem Patronat. Wegen der kostspieligen Türkenkriege musste Kurfürst Maximilian II. Emanuel (1679-1726) Güter an Adelige und Klöster verkaufen. Mühlhausen selbst kam 1687 in den Besitz der Hofmark (i) Affing. Der kurfürstliche Vizekanzler zu München Baron (Graf, Freiherr) von Leyden erwarb 1682/1687 Affing (1689 Neubau von Schloss, Kirche, Pfarrhof, Iglhof) und die kurfürstlichen Untertanen und Güter in Mühlhausen, Aulzhausen, Gebenhofen, Anwalting. 1816 kaufte der Regierungspräsident zu Augsburg, Karl Ernst von Gravenreuth die Hofmark Affing und ist seither Schloßherr in Affing. - Der Ort Affing ist urkundlich bereits im Jahre 1040 erwähnt.


Burg Mühlhausen

Wahrscheinlich war auf dem Berg von Mühlhausen früher ein kleines römisches Kastell oder ein Wachtturm/Hochwarte zum Schutz der hier vorbeiziehenden Römerstraße.
Im
12. Jahrhundert (erstmals erwähnt 1146/47) stand auf der Höhe über dem Ort, der das Eigentum der bayerischen Landesherren war, eine Amts-Burg (ca. 200 m nördlich der Dorfkirche), deren wittelsbachischen Bedienstete die Geschäfte des herzöglichen Amtes (officium Mulhausen) führten. Zum lehnbaren Amt Mühlhausen gehörten u.a. Höfe, Vogteien, Derchinger? und Mühlhauser Mühle und zehn umliegende Ortschaften wie z.B. Derching samt Derchinger Forst.
Nach dem Aussterben der adeligen Lehensmänner, der
Marschalke von Schiltberg (kinderloser Berthold v. Schiltberg), verwalteten die Pflegegerichte Aichach und Friedberg das Mühlhauser Amt für die bayerischen Herzöge. Um 1415/1420 wurde die Burg dem von Herzog Ludwig neugebildeten Landgericht Friedberg einverleibt. Die Burg wurde vermutlich 1462 (oder 1405?) zerstört. 1462 erstürmte Markgraf Albrecht Mühlhausen und die Burg (1468 Ruine) und brannte die im Umkreis liegenden Dörfer nieder.
Angeblich war die
1827 abgetragene Burg mit der Kirche durch einen Gang verbunden, der teilweise noch heute im offenen Gelände zu erkennen sein soll.
Heute ist die
Burgstelle in Mühlhausen in (Anwaltinger?) Privatbesitz.
Weitere Burgstellen befinden sich in Miedering und Haunswies ("Seißenberg"), in Affing ist ein Schloss (Schlossherr: Freiherr v. Gravenreuth) mit Gutshöfen (Iglhof).


Burgstall-Skizze
Mühlhauser Burgstelle - Skizze: vgl. H.J. Reif in Rischert 1975

Mühlhauser Burgstelle - Skizze: vgl. H.J. Reif in Rischert 1975

Das Bayerische Landesamt für Denkmalschutz hat mittlerweile
die Mühlhauser Burgstelle genau vermessen und kartographisch erfasst. 


Burg-Sage von Mühlhausen

Es existieren Sagen über die drei Fräulein von Mühlhausen und die betrügerische Teilung des Erbes der zwei sehenden mit der blinden benachteiligten, aber zufriedenen Schwester. - Die beiden sehenden Schwestern zerstritten sich nach der Erbteilung so, dass sie sich je eigene Eingangstüren in die Kirchenwand brechen ließen. - Die Sage erwähnt auch unterirdische Gänge, wobei die Sage von den drei Fräulein in Oberbayern und Tirol fast überall mit unterirdischen Gängen verknüpft wird.
So oder so ähnlich
sagen es sich die Leute:
Als der Burgherr starb, hinterließ er drei Töchter. Die eine war blind, die beiden anderen aber waren über die Maßen habgierig. Das hinterlassene Erbe war so groß, dass die Gold- und Silberstücke mit Scheffeln aufgeteilt werden mussten. Jedes mal, wenn die blinde Schwester an der Reihe war, drehten die zwei Schwestern den Scheffel um und belegten nur die Außenseite des Bodens mit Geldstücken. Sie maßen sich also jedes mal einen vollen Scheffel Gold zu, ihrer blinden Schwester aber gaben sie immer nur so viel, als auf dem umgestürzten Scheffel Platz hatte und ließen sie dann mit der Hand darüber streichen, damit sie glaubte, sie habe das gefüllte Holz-Scheffel erhalten. So wurde die Arme um den größten Teil ihres Erbes gebracht.
Schon wenige Wochen nach des Vaters Tod gerieten die zwei sehenden Schwestern miteinander in erbitterten Streit. Sie zerstritten sich so, dass sie sich sogar separate Eingangstüren in die Kirchenwand brechen ließen. - Auf dem Geld des betrogenen Burgfräuleins dagegen lag Gottes reicher Segen.


Burgen am Lechrain

Der heute oft dicht bewaldete Höhenzug des Lechrains bot in der Vergangenheit geradezu ideale Voraussetzungen zur Anlage von Befestigungen und Burgen. Nicht nur die strategisch günstige Lage, sondern auch eine weite Fernsicht, meist über die Ebene des Lechfelds und die gegenüberliegenden Höhen hinaus, hat die Menschen von der Jungsteinzeit (um 4000 v. Chr.) bis ins späte Mittelalter veranlasst, hier Sicherheit und Zuflucht zu suchen. Der Lechrain innerhalb des Landkreises Aichach-Friedberg von der nördlichen Kreisgrenze bei Bach bis zur südlichen bei Unterbergen zählte daher nicht weniger als 21 Befestigungsanlagen, zu denen noch die im Spätmittelalter befestigten oder zu Schutzzwecken dienenden Dorfkirchen hinzugezählt werden müssen. Als Beispiel sei der befestigte Kirchhof von Mering genannt. Am eindrucksvollsten präsentieren sich dem Beschauer von der Lechebene aus die spätmittelalterliche Stadtbefestigung von Friedberg sowie die zu Schlössern gewordenen Burgen Friedberg und Scherneck. Nicht mitgezählt bleiben die in der Ebene liegenden Befestigungen, z.B. die ehemalige Wasserburg Mering.
Die mittelalterliche Burg war autark, d.h. der Burgherr suchte möglichst vom Umland unabhängig zu wirtschaften. Deshalb gehörten zur Burg neben dem vom Burgherrn bewohnten Wehrbau stets ein Wirtschaftshof und eine Mühle. [...] Der Wirtschaftshof befand sich meist unmittelbar bei der Burg und war daher als
Vorburg befestigt. Im Bayerischen heißen diese Höfe Sedelhof, vom mittelhochdeutschen sedel, der Sessel, Sattel, Sitz.

Aus:  Landkreis Aichach-Friedberg (Hrsg.): Die Turmhügelburg Rehling bei Unterach; herausgegeben zum Tag des offenen Dankmals, 2001.

Burggraben (Halsgraben):  Hauptburg links - Vorburg rechts;  Blickrichtung: Nord
BurgGraben (HalsGraben): HauptBurg links - VorBurg rechts;  Blickrichtung: Nord

Hauptburg;  Blickrichtung: Süd-Ost
HauptBurg;  Blickrichtung: Süd-Ost 

Hinweistafel in Mühlhausen am Jahnweg (errichtet 2008)
Hinweistafel - Burgstall Mühlhausen

 
Quellenangaben:

Landkreis Aichach-Friedberg (Hrsg.): Reihen "Altbayern in Schwaben", Jahrbuch für Geschichte und Kultur, 2001, 2002, 2003, 2004.
Landkreis Aichach-Friedberg (Hrsg.): Die fünf Burgen in der Gemeinde Affing. Bodendenkmäler im Landkreis Aichach-Friedberg Nr. 6, Faltblatt zum "Tag des offenen Denkmals", Text: Helmut Rischert, Aichach 2006.
MGW: Von der stolzen Burg blieb nur ein Bodendenkmal. Hinweistafel: Nur wenige Bürger können etwas mit dem Begriff "Burg Mühlhausen" anfangen. Aichacher Nachrichten vom 2. August 2008, Nr. 179, S.  (mit Burgkarte).
Rischert, Helmut: Burgställe im Landkreis Aichach Friedberg. Zur Burgenfahrt der Naturforschenden Gesellschaft Augsburg am 10.5.1975 (Heimatkundliche Beiträge aus dem Augsburger Raum 1), Augsburg 1975.
Rischert, Helmut: Die Burgen in der Gemeinde Affing. In: Landkreis Aichach-Friedberg (Hrsg.): Altbayern in Schwaben 2007. Berichte und Forschungsergebnisse aus dem Landkreis Aichach-Friedberg, Matthäus Günther Verlag, Friedberg 2007, S.27-46.
Schnell & Steiner Verlag GmbH (Hrsg.): Kunstführer Nr. 2025, Pfarrkirchen Aulzhausen und Mühlhausen, 1. Aufl., München 1992.

Weitere, neueste Informationen erhält man beim "Burgen-Experten":
Helmut Rischert
- KreisArchivPfleger (Bodendenkmalpflege / Mittelalterliche Geschichte)
Außenstelle des  (Landratsamtes Aichach-Friedberg)
Ludwigstraße 39  /  86316 Friedberg


Anregungen:
Kann man die Grundmauern und Fundamente der Burg freilegen!?
Das
Bayerische Landesamt für Denkmalschutz oder anerkannte Grabungsfirmen sind meist die Ausführenden.

Man könnte:
- den Mühlhauser Burg-Berg besteigen, erkunden, erforschen, ...
- eine heimatkundliche Burgführung organisieren
- ein Burgen- und Mittelalter-Fest oder eine Met-Party veranstalten
- Heimatkunde lebendig gestalten und heimatkundliches Bewusstsein fördern
- einen Burgen- oder Aussichts-Turm errichten
- ...
Bei wilden Schatz-Gräbereien gehen wertvolle historische Hinweise für immer verloren!
Bitte melden sie verbotene Grabungen oder andere Zerstörungen an der Burgstelle!!!

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Juni 2006