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 Salzberg-Kapelle Anwalting-Gebenhofen
Salzberg-Kapelle-Anwalting -> Süd-Ansicht 


Die Entstehung der Salzberg-Kapelle

Der Volksmund berichtet, ein Bauer hätte beim Pflügen ein Bild der Schmerzhaften Muttergottes gefunden und dieses auf dem Salzberg aufgestellt. Einer anderen Erzählung zufolge hat der Probstbauer von Anwalting, Michael Warmer, um 1604 das Bild der Madonna von einem Freund aus dem Schwabenland erhalten. Auf dem Salzberg, seinem Grund und Boden baute er dann über diesem Bild jene Kappelle, die vom Volk sehr verehrt und heute so gerne besucht wird.

Inzwischen wurde auch in den Archiven der Diözese Augsburg ein Dokument über dieses Kleinod gefunden. In der authentischen Niederschrift heißt es:
"Über die anno 1694 mit Vorwissen der Hochgeist: vnndt Weltlichen Jusidiction Herrschaft aufm Salzberg durch aldorthin von der genedigen Hofmarchsherrschafft zu Äffing vnnd annderen verehrten Zieglzeug vnnd gefallenes Opfergeld erpauthe veldcapelle, worein der Heyl: Mutter Gottes Bildnus mit den Siben Schmerzen, von der Muetter Kürchen von Gebenhouen aus durch zwei Carmeliter von Augspurg, namens P: Mauritius a Natuitate B: M: V: vnnd P: Andreas a Jesu gesözt, vnnd daß opfergeföll von Hans Wanner Probstpaurn zu Anwalting, als welcher zu dieser Capelln den Platz, von dem zu seinem guett gehörigem ackher, mit Consens seiner Grundtherrschafft hergelassen, eingenommen, vnnd zu dem Pau verwendt worden. Rechnung in Beysein Herrn Cammerer vnnd Pfarrers zu Gebenhouen volgentermassen geleist. Den 12. xher anno 1702."

Mit diesem Schriftstück ist also erwiesen, dass die Salzkappelle im Jahre 1694 erbaut wurde. Bei allen anderen Erzählungen handelt es sich um Sagen.
Ergänzend muss hier gesagt werden, woher der Name Salzberg kommt. Das Wortteil Salz deutet auf den alten Salzweg hin, der wohl von Rain am Lech nach Friedberg und Augsburg ging. Hier wurden die sogenannten Salzkannen, die großen Salzscheiben von dem bekannten Salz­stapel­platz Rain nach Westen und Norden gefahren. Das Salz gelangte durch die Schifffahrt in Salzach und Inn nach Rain. Von Passau aus ging es mit Pferdegespannen Donau aufwärts.

Doch der Salzberg war wohl schon in vorgeschichtlicher Zeit ein mystischer Ort. Und wie überall, wo solche Plätze zu finden sind, ist auch der Salzberg mit allerlei Geschichten in die örtliche Sagenwelt eingegangen. Gerade in früherer Zeit, wo kein Flimmerkasten oder Radio den Leuten die Zeit vertrieb, saßen die Menschen in den langen Wintermonaten in den Wirts- und Spinnstuben zusammen und erzählten sich lange Geschichten. Gerade auch zu Weihnachten und Neujahr, wo früher Wotan mit dem wilden Heer durch die Raunächte zog.

Tatsächliche geschichtliche Ereignisse ließen dann uralte Sagen wieder lebendig werden. So wie, als am 18.04.1870 das Mesmer Ehepaar Anna und Konrad Bäumel in ihrer Wohnung bei St. Jodok zwischen Haunswies und Igenhausen grausam ermordet wurden. Damals erzählten sich die Menschen wieder die Geschichten vom Joaspudel, einem fürchterlichen, großen Hund mit feurigen tellergroßen Augen. Eine davon lautete folgendermaßen:
Ein Oberschneitbacher erzählt beim Wirt am Stammtisch: "Neulich bin ich mit einem Fuder Langholz nach Augsburg gefahren und ich hab ihn auch gesehen." - "Ach was," bemerkt ein anderer abfällig, "das ist doch alles nur zum alte Weiber derschrecken, ein Witz!" "Sag das nicht, Jockl," meint wieder ein anderer drauf. "Ich hab ihn auch schon gesehen; diesen Hund mit den großen feurigen Augen. Bei der Kappelle hat er mir den Weg versperrt." "So!" meint der Jockl weiter frech, "den Teufel fürchtet ihr nicht, aber vor einem räudigen Hund habt ihr Angst und traut euch nicht, ihn zu verscheuchen. Mit meinen Händen würde ich ihn zerreißen!" so spottet das Großmaul weiter. Um es kurz zu machen, ein paar Tage später fand man den Jockl tot auf der Straße bei St. Jodok. Seine Geldkatze war noch voller Taler, sein Messer steckte noch im Gürtel - also kein Räuber, denn sein Hals war durchgebissen. Der Joaspudel hatte sich gerächt.
Solche Geschichten über den Joaspudel sind im Heimatbuch noch viele mehr aufgeschrieben.
Und so erzählt man sich vom Salzberg, dass dort in den langen Winternächten die Salzweiblein ihren Spuk trieben.

(Konrad Golling, Anwalting)

 

  Salzberg-Kapelle-Anwalting -> Süd-Ost-Ansicht

Salzberg-Kapelle-Anwalting -> Nord-Ost-Ansicht

Salzberg-Kapelle-Anwalting -> Innen-Ansicht

Salzberg-Kapelle-Anwalting -> West-Ansicht

Sonnenuntergang am Salzberg

 


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Februar 2006