zur Home-PageHOME   {Kanzler-Antwort}{Gesundheits-Ministerium}{Antwort}{M@il}


 

An Herrn
Bundeskanzler
Gerhard Schröder

53121 Bonn

Eichstätt, 05.02.1999

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, aufmerksam habe ich (etwas verspätet!?) Ihre Neujahrsansprache in Zeitung gelesen. Ich will hier kurz aus Ihrer Neujahrsansprache zitieren:

    "Deshalb schlage ich Ihnen ein Abkommen vor: Wir tun alles dafür, daß Ihnen Bildung und Ausbildung offenstehen und Sie Ihren Platz einnehmen können: in der Wirtschaft, in der Wissenschaft, in der Arbeitswelt (in der Politik?! Anm. d. Verf.). Und dafür versprechen Sie, liebe Jugendliche, Ihre Fähigkeiten, Ihre Kreativität und Ihre Unternehmenslust einzusetzen (Hervorh. d. Verf.)."

Sehr geehrter Herr Schröder, hierzu möchte ich Ihnen meinen "kreativen" Verbesserungsvorschlag vorstellen:
In jedem guten Betrieb, der auf die Fähigkeiten, Kreativität und Unternehmungslust seiner MitarbeiterInnen vertraut, gibt es ein betriebsinternes Verbesserungswesen. Ich bin der Meinung, dass so ein Verbesserungswesen allen Kommunen (Städten und Gemeinden), den Länder-Regierungen und schließlich auch der Bundesregierung usw. gut tun würde. Ein derartiges Verbesserungs-Vorschlags-System (evtl. mit Prämiensystem) hätte meiner Ansicht nach folgende Vorteile:
 

    • Neue originelle Ideen für das Land. Neue unkonventionelle Lösungswege oder Anregungen.
    • Ideen zu Einsparungs- und Handlungsmöglichkeiten und Aufdeckung von Missständen.
    • Ideen zu lokalen, nationalen oder sogar internationalen Problemstellungen.
    • Gemeinsame, bürgernahe Suche nach pragmatischen Lösungsmöglichkeiten ohne parteipolitisches Scheuklappendenken.
    • Identifikation, thematische Beschäftigung und Engagement der BürgerInnen mit aktuellen Problemen und Themen. Das Gefühl der Zugehörigkeit und (Problem-)Identifikation steigt.
    • Die BürgerInnen werden zum Mitdenken angeregt und dadurch Verantwortung initiiert.
    • Die BürgerInnen werden motiviert, ihre Fähigkeiten, ihre Kreativität und ihre Unternehmenslust einzusetzen.
    • Die BürgerInnen fühlen sich ernst genommen, mündig und nicht machtlos bzw. ohnmächtig gegenüber dem Staat. Sie werden für kompetent erachtet.
    • Die Ideen der BürgerInnen sind dem Staat wichtig und der Staat verliert für die BürgerInnen an Abstraktion - wird lebensnaher.
    • Sich für den Staat/die Kommune etwas einfallen zu lassen, wird gewürdigt bzw. prämiert. Es lohnt sich mitzudenken!
    • Der Politikverdrossenheit und der Gleichgültigkeit gegenüber dem Staat könnte entgegengewirkt werden.

Ein Ideenwettbewerb und eine eigene Info- bzw. Ideen-Zeitschrift, in der prämierte BürgerInnen-Lösungen vorgestellt werden, könnten z.B. die BürgerInnen zusätzlich anspornen, daran teilzunehmen. Bei der Umsetzung eines BRD-VV-Systems (VV= Verbesserungs-Vorschlag) könnte man sich aus der Wirtschaft viele Anregungen holen. Man könnte sich sehr gut an schon bestehenden, betrieblichen VV-Systemen orientieren.

Ich weiß, ein VV-System in einem Betrieb ersetzt nicht die Forschungsabteilung, aber es bringt offensichtliche Vorteile für den Betrieb und auch für seine MitarbeiterInnen (Zufriedenheit, Motivation, etc.)! Genauso kann eine Regierung nicht das geringste bewirken, wenn die Bevölkerung nicht mitmacht oder Probleme oberflächlich und ohnmächtig am Stammtisch diskutiert (Frauen und Minderheiten haben dort eh nix zu melden!).

Ich habe letztes Jahr 20 Verbesserungsvorschläge während meiner Ferienarbeit bei einem Automobilunternehmen in Ingolstadt eingereicht und alle mit Prämie 0 zurückbekommen (hihi). Ich hoffe aber, dass Sie das nicht zu sehr abschreckt, Sie meinem Ideenreichtum vertrauen und meine VV-Idee umsetzen werden.

Ein Verbesserungs-Vorschlag könnte z.B. folgendermaßen aussehen:

 

 

zum Seiten-Anfang
 

Antwortschreiben vom 12. Feb. 1999 vom
Bundeskanzleramt
53106 Bonn

Sehr geehrter Herr Grabler,

der Bundeskanzler hat mich gebeten, Ihnen für Ihr Schreiben vom 5. Februar 1999 zu danken.
Ihre Ausführungen sind aufmerksam aufgenommen worden.
Sie dürfen sicher sein, daß Ihre Überlegungen - soweit möglich - in die Meinungsbildung der Bundesregierung einfließen.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
 

Anmerkung dazu:  Cooler Textbaustein! Meinungsbildung? - Da bin ich ja mal gespannt!

 

 

zum Seiten-Anfang
 

An Frau
Bundesministerin für Gesundheit
Andrea Fischer

53121 Bonn

Sehr geehrte Frau Gesundheitsministerin,

ich höre/lese oftmals in den Medien, dass die Deutschen zukünftig ein Volk von Schwerhörigen sein werden und dass sich ihr Ministerium bemüht, auf die Gefahren von Lärm und die sich daraus ergebenden gesundheitlichen, beruflichen, sozialen, finanziellen u.a. Folgen hinzuweisen. Auch die finanziellen Folgekosten für das Gesundheitswesen werden bekanntermaßen nicht gerade unerheblich sein.

Mein (Verbesserungs-)Vorschlag:
Ich gehe ziemlich oft in Discotheken und Musik-Kneipen. In den letzten Jahren ging mir die Musik-Lautstärke (techno-bedingt?) an die Schmerzgrenze und ich drücke mir jetzt immer Ohropax in meine Gehörgänge. Zu meiner Überraschung musste ich feststellen, dass man sich mit diesem Gehörschutz keineswegs isoliert, sondern dass man einen Gesprächspartner sogar besser versteht als vorher ohne Ohrschutz. Erstaunlicherweise sehe ich in letzter Zeit auch immer häufiger Discotheken-BesucherInnen, die ebenfalls einen Ohrschutz in den Ohren tragen. Ich glaube, das wird langsam salonfähig!

Ich würde deshalb vorschlagen, dass Discotheken- und Musik-Kneipen-BetreiberInnen u.a. dazu verpflichtet werden, zukünftig "unauffällige Lärmschutzmittel" kostenlos oder zum Selbstkostenpreis allen Besuchern anzubieten, wie dies auch an lärmbelasteten Arbeitsplätzen vorgeschrieben ist. Die Lokalitäten-BetreiberInnen sollten z.B. einen "Ohrschutz-Automaten" aufstellen müssen. Alternativ könnte man z.B. auch ein Fach im Disco-Zigarettenautomaten mit Lärmschutzmittel befüllen lassen. Auch würden wohl die Krankenkassen hier gerne als Sponsoren auftreten!?!!!

Steht ein solcher Automat in den Musik-Lokalitäten, dann wird es für die Jugendlichen einfach, an Ohrschutz zu kommen, der Gebrauch wird szenefähig, akzeptiert und gelernt. Eine aufklärerische Wirkung entsteht, die Nutz-Schamgrenze sinkt und daheim vergessener Ohrschutz ist in der Disco erhältlich. Auch Discotheken-BesitzerInnen profitieren, da auch Leute in die Disco gehen, denen es dort einfach zu laut ist, etc.

Unter "unauffälligen Lärmschutzmitteln" verstehe ich hautfarbene Ohrschutz-Stöpsel aus Wachs (diese werden zwar manchmal etwas schmierig in der warmen Disco-Luft) oder Schaumstoff, wie es sie schon auf dem Markt gibt! Ich denke, diese hässlich-auffälligen, gift-gelben Schaumstoff-Stöpsel würden wohl eher nicht akzeptiert werden. Hier müsste auch die Lärmschutzmittel-Industrie einen (für sie lukrativen) Beitrag leisten und hautfarbenen Ohrschutz anbieten. Spezieller (evtl. auch orgineller) "Disco-Ohrschutz" wäre angesagt und würde die Nutz-Akzeptanz bestimmt zusätzlich erhöhen.

Ich bemerke, dass Akzeptanz von Ohrschutz in Musik-Lokalitäten bei den Jugendlichen/Erwachsenen immer größer wird. Viele haben ja auch schon einen Gehörschaden oder einen kleinen Mann (Tinnitus) im Ohr und schützen sich vielleicht auch deswegen vor dem extremen Lärm. Man sollte daher diese Verhaltensänderung, die auch durch die immer noch lauter werdende Musik für das Gehör überlebenswichtig wird, durch eine neue Verordnung unterstützen. Diese kleine Verordnung könnte vielen Menschen Gehörschäden und Ihnen bzw. den Krankenkassen Millionen von (Behandlungs-)Kosten ersparen. Außerdem könnte sie auch das Gesundheitsbewusstsein im Alltag fördern. Diese Ohrstöpsel werden ja evtl. auch im Alltag nochmals eingesetzt. So hätte diese Verordnung beiläufig auch einen gesundheits-erzieherischen Effekt für den Alltag!?

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie meine Anregung umsetzen könnten und ich Ihnen mit meinem Brief nicht auf die Ohren bzw. auf die Nerven gegangen wäre!


Mit freundlichen Grüßen

P.S.: Gibt es eigentlich Luft-Schadstoffgrenzwerte für Discotheken, Kneipen, etc.?

 

 

zum Seiten-Anfang
 

Antwortschreiben vom 26. August 1999 Antwort vom
Bundesministerium für Gesundheit
53108 Bonn

Sehr geehrter Herr Grabler,

ich bedanke mich für Ihr an Frau Bundesgesundheitsministerin Fischer gerichtetes Schreiben vom 16. August 1999. Nach den hier vorliegenden Erkenntnissen über den üblicherweise in Diskotheken und während Musikveranstaltungen auf die Besucher und Beschäftigten einwirkenden Schalldruckpegel kann ich nur bestätigen, dass die Verwendung eines Gehörschutzes eine sehr sinnvolle Selbstschutzmaßnahme im Interesse der eigenen Gesundheit darstellt.

Ich sehe allerdings keine Möglichkeit, eine solche Praxis auf dem Verordnungswege vorzuschreiben, da hiermit zum einen in die Persönlichkeitsrechte des einzelnen eingegriffen würde und zum anderen die Überwachung einer solchen Vorschrift kaum realisierbar wäre. Wesentlich wirksamer erscheint es, einen Schalldruckhöchstwert festzusetzen, der dem Schutz des Gehörs hinreichend Rechnung trägt.

Für eine Regelung auf Bundesebene besteht allerdings im geltenden Recht derzeit keine Grundlage. Dagegen sind die Landesregierungen ermächtigt, grundsätzliche Regelungen zu treffen, ebenso wie die vor Ort zuständigen Behörden Maßnahmen im Dienste des Gesundheitsschutzes ergreifen können. Offenbar wird aber in der Praxis von diesen Möglichkeiten wenig Gebrauch gemacht.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag

Anmerkung dazu:
Vielleicht habe ich mich in meinem Brief missverständlich ausgedrückt, aber es ist/war nie meine Absicht, Diskotheken-Besuchern/Besucherinnen das Tragen von Gehörschutz vorzuschreiben. Ich wollte nur anregen, die Aufstellung von Gehörschutz-Automaten vorzuschreiben bzw. zu unterstützen.
 

 

 

zum Seiten-Anfang

Mein Tip:
Empfehlenswert sind z.B. Ohropax Soft (10 Stück ca. 5 DM) o.a. Die elastischen, hautfarbenen PU-Schaum-Stöpsel kann man z.B. auch mit der Schere halbieren und man kann sie mit Wasser und Seife reinigen. Sie bieten laut Hersteller "Schutz vor 'Extrem-Lärm' (Disco, Maschinen)".

Interessant!!!
Alte Mälzerei - Zeitkultur: Allgemeine Geschäftsbedingungen bzw. Vertragsbedingungen des Regensburger UNI-Fasching 99 Veranstalters:
Bei Musikveranstaltungen kann aufgrund der Lautstärke Gefahr von möglichen Hör- und Gesundheitsschäden bestehen.

Link-Hinweis:
Tinnitus-Hilfe e.V. in Essen

 


Über Anregungen, Feedback, etc. würde ich mich sehr freuen! Danke!
.

[zurück zu den Deutschland-Links]


April 2001

zum Seiten-Anfang